Wissenswertes 11/14

Mikrofinanz – eine sozial nachhaltige Veranlagungsmöglichkeit

Der Begriff Mikrofinanz umfasst ein weites Feld von Kredit-, Spar-, Versicherungs- und Geldtransferleistungen, die den viel zitierten „Ärmsten der Armen“ sonst verschlossen wären. Mikrokredite dienen dabei in der Regel der Einbindung der bisher weitgehend vernachlässigten Bevölkerungsschichten in eine unternehmerische Wertschöpfungskette. Oft haben diese Personen lediglich ihre Arbeitskraft und viele Ideen, jedoch zu wenig Geld und unternehmerisches Know-how, um diese Ideen umzusetzen. Weil meist keinerlei Vermögenssicherheiten geboten werden können, erhalten sie von herkömmlichen Banken keine Kredite. Mikrofinanzinstitute versuchen nun diese Lücke zu füllen, indem sie Kredite vergeben, welche sie auf andere Weise absichern.

Bereits im Jahr 1976 startet Muhammad Yunus, ein Wirtschaftswissenschaftler aus Bangladesch, ein Programm zur Vergabe von Mikrokrediten. 1983 wurde von ihm die Grameen Bank gegründet. Sie vergibt Mikrokredite an Menschen ohne Einkommenssicherheiten als Starthilfe um die Armut zu lindern. Muhammad Yunus und der Grameen Bank wurde im Jahr 2006 der Friedensnobelpreis verliehen.

Ein häufiger Ansatz ist die Bildung von Genossenschaften und die Vergabe von Gruppenkrediten. Die Kreditnehmerinnen (es sind oft Frauen) bilden eine Genossenschaft, in welcher sich die Frauen gegenseitig bei der Produktion, sowie der Kreditrückzahlung unterstützen. Das starke soziale Gefüge in vielen Entwicklungsländern führt dazu, dass jede der Frauen den Kredit zurückzahlen will, weil sie sonst im Dorf „das Gesicht verlieren würde“. Daneben werden die Kreditnehmer von den Mikrokreditinstituten beraten und unterstützt. Die Kreditzinsen sind für westliche Verhältnisse hoch, jedoch deutlich tiefer als dies bei jenen Geldhändlern (Wucherern) der Fall wäre, bei welchen sich die Frauen alternativ mit Krediten eindecken könnten. Der Mikrofinanz-Ansatz versucht, soziale Beziehungen als Kreditsicherheit zu nutzen, die die Kreditnehmer zur pünktlichen Rückzahlung motiviert. Mit diesen Absicherungen haben es viele Mikrokreditinstitute geschafft, hohe Rückzahlungsquoten von bis zu 98 % zu erreichen. Die Ausfallsraten bei herkömmlichen Banken sind teilweise deutlich höher.

Mikrofinanz wird oft unter dem Aspekt der Armutsbekämpfung und der Gleichstellung von Frauen diskutiert. Grundsätzlich wenden sich Mikrofinanz-Programme oder -Institutionen an den ökonomisch aktiven Teil der Bevölkerung. Mikrofinanzprojekte sind dabei nicht nur auf Entwicklungsländer begrenzt. So sollen in Deutschland bis 2015 aus dem mit EUR 100 Mio. aus dem Bundeshaushalt und vom Europäischen Sozialfonds dotierte Mikrokreditfonds Deutschland 15.000 Kredite vergeben werden. Auch in Österreich wurde 2010 ein erstes Mikrokredit-Projekt gestartet. Die Kreditvergabe erfolgte bisher in Wien, der Steiermark, Niederösterreich und dem Burgenland. Mikrokredite werden an Einzelpersonen bis zu einer Höhe von 12.500 Euro vergeben, an Personengesellschaften bis 25.000 Euro. Zielpersonen sind Arbeitslose, atypisch Beschäftigte, denen keine herkömmlichen Kredite bewilligt werden und von Armut betroffene Personen, die eine plausible Geschäftsidee aufweisen können. Die Laufzeit mit Fixzinssatz beträgt 5 Jahre, wobei das erste halbe Jahr auf Wunsch tilgungsfrei gehalten werden kann. Bearbeitungsgebühren fallen keine an www.dermikrokredit.at

Interessant am Mikrofinanzansatz ist, dass Entwicklung mit marktwirtschaftlichen Mitteln erzielt werden soll. Vergleichbar dem Konzept fair gehandelter Produkte (fair trade) wird auch bei Mikrofinanz von der Annahme ausgegangen, dass beide Parteien von Handels- oder Geschäftsbeziehungen profitieren, wenn diese Beziehungen fair und gerecht sind. Mikrofinanz versucht über  Finanzdienstleistungen eine win-win Situation zu erreichen und ist somit ein idealtypisches Geschäftsmodell im Sinne der Vision von fair-finance.

 

Entsprechend dem Leitbild von  fair-finance „…Wir geben Impulse für einen strukturellen Wandel. .. Wir nutzen Geld als soziales Gestaltungsmittel, engagieren uns und fördern eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung. ..“ hat fair-finance Ende Oktober eine Erstinvestition in ein breit gestreutes Mikrokreditportfolio getätigt. Dabei waren nicht nur rechtliche Hürden zu nehmen, sondern es mussten auch Negativ- und Positivkriterien für Mikrofinanzinvestitionen erstellt und ein diesen Kriterien entsprechender Fonds gefunden werden. Leider gibt es auch bei dem grundsätzlich sehr positiven Geschäftsfeld Mikrofinanz schwarze Schafe. In diesem Sinn sind Kreditgeber, die zum Beispiel ohne ernsthafte Geschäftsidee Kredite letztendlich zu Konsumzwecken vergeben, ebenso abzulehnen, wie Kreditgeber, die auch lokal überhöhte Kreditzinsen verlangen oder die Raten mit unseriösen Mitteln eintreiben bzw. sozial nachteilige Abhängigkeiten schaffen.

 

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