Wissenswertes 02/2017

fair-finance übernimmt mit der Verabschiedung einer Engagement-Policy durch den Kundenbeirat im vergangenen Jahr 2016 und der konsequenten Umsetzung der definierten Engagementmaßnahmen wieder einmal eine Vorreiterstellung in der Branche der Betrieblichen Vorsorgekassen. Denn das Investieren der Gelder anhand eines mehr oder weniger detaillierten und umfangreichen nachhaltigen Kriterienkatalogs ist mittlerweile erfreulicher Standard der Branche. Die Erstellung und Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien für Immobilien durch fair-finance hat ja zuletzt bereits zur Auszeichnung des fair-finance real estate fonds als ersten Fonds überhaupt mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Finanzprodukte geführt und einen Diskussionsprozess ausgelöst, der weit über die Vorsorgekassenbranche hinausgeht.

Engagement aus Sicht von fair-finance bedeutet, sich verstärkt in Unternehmen einzubringen, um einerseits im Dialog mehr über diese Unternehmen zu erfahren und gleichzeitig den Status als (nachhaltiger) Investor dahingehend zu nutzen, um in den Unternehmen allfällige Missstände aufzuzeigen und eine Verbesserung der sozialen und/oder ökologischen Rahmenbedingungen herbeizuführen. Dazu nimmt fair-finance direkt mit den Unternehmen Kontakt auf und /oder beteiligt sich an Engagement-Aktivitäten Dritter.

Shareholder-Engagement bei fair-finance bedeutet einerseits den Dialog mit den Managern der von uns eingesetzten Publikumsfonds. Andererseits treten wir auch direkt an jene Emittenten in unserem Portfolio heran, die zwar unsere strengen Ausschlusskriterien erfüllen, wo aber von externen Analysten wie oekom research Mängel festgestellt werden. Wir betreiben auch konsequent Divestment, wenn Verstöße gegen unsere Nachhaltige Veranlagungsrichtlinie festgestellt werden. In diesem Fall informieren wir den Emittenten und stellen ein neuerliches Investment für den Fall in Aussicht, dass die kontroversen Geschäftsfelder und -praktiken nachweislich beseitigt wurden.

Zudem setzt der Kundenbeirat jährlich einen Themenschwerpunkt. Unternehmen, die gemäß dem Themenschwerpunkt tätig oder gar auffällig sind, werden kontaktiert und um Stellungsnahmen ersucht bzw. werden Verbesserungen oder das Einstellen von kontroversen Praktiken und Vorgehensweisen verlangt. Zur Veranschaulichung kann der Einsatz von Palmöl zur Produktion von Lebensmitteln, Kosmetik und Energie genannt werden. Konzerne wie Unilever, Nestle oder Henkel gehören zu den größten Verwendern und Käufern von Palmöl, dessen Produktion zunehmend den tropischen Regelwald durch Brandrodung verdrängt und den Lebensraum indigener Völker und unzähliger Tierarten zerstört. Neben der Einschränkung der Palmölproduktion könnte die Forderung nach ökologischen und sozialen Mindeststandards das Ziel der Engagementaktivität sein.

Auf die Wahrnehmung von Stimmrechten bei den Hauptversammlungen der Unternehmen (Voting) oder der Bevollmächtigung von Dritten mit der Stimmrechtswahrnehmung (Proxy Voting) wird vorerst aus pragmatischen Gründen verzichtet. Zumal fair-finance nicht direkt Aktien hält, sondern diese immer Teil eines Fondsvermögens sind, ist fair-finance im juristischen Sinne nicht Aktionär und nicht zur Stimmrechtsabgabe berechtigt. Die Übertragung der indirekten Stimmrechte an fair-finance durch die Fondsverwaltungsgesellschaft ist, wenn überhaupt möglich, sehr aufwendig. Zudem sind die Unternehmen über den Globus verteilt, was entweder ein unsachliches Vorgehen oder unverhältnismäßig hohe Kosten des Engagements verursachen würde.

Gemäß unserem Leitbild und unserer Vision wollen wir nicht nur nachhaltige Finanzprodukte kaufen, sondern mittels Engagement Impulse für einen strukturellen Wandel und Verbesserungen geben und somit neben Geld auch den Diskurs als soziales und ökologisches Gestaltungsmittel für eine nachhaltige Gesellschaftsentwicklung einsetzen.

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