Aktuelle Entwicklung an den Aktienmärkten - Oktober 2021

Die großen Aktienmärkte haben nach einem unüblich langen Zeitraum Anfang Oktober erstmals wieder größere Korrekturen gezeigt. Zurückzuführen war dies auf diverse Unsicherheitsfaktoren wie beispielsweise der „Evergrande Schock“ (chinesischer Immobilienentwickler) sowie die steigenden Energiepreise und in weiterer Folge die steigende Inflation. Evergrande versucht nun, sich mit Umstrukturierungen bzw. Veräußerungen Liquidität zu verschaffen.
Auch haben sich die Risikoaufschläge (Spreads) neben anfänglich risikoreicheren Emittenten nun auch bei asiatischen Anleihen von besser gerateten Unternehmen (Investmentgrade) erhöht. Der Markt scheint hier noch unsicher zu sein, ob Evergrande den asiatischen „Lehman Moment“ darstellt – zumindest einen gewissen Ansteckungseffekt scheint er einzupreisen. Unserer Meinung nach werden die Auswirkungen des schwer verschuldeten Immobilien- und Mischkonzerns letztendlich von der Reaktion der chinesischen Regierung determiniert. Das Abverkaufs-Intermezzo an den Aktienmärkten war jedoch nur von kurzer Dauer. Viele starke Quartalszahlen der nun sich voll im Gang befindlichen Berichtssaison konnten bis zur Erstellung dieses Berichts die Indizes wieder nahe an ihre Rekordniveaus hieven. Prinzipiell ist auch diese kurze Unsicherheitsphase im Sinne einer “Buy-the-Dip"-Mentalität genutzt worden und zeugt von einem insgesamt bullischen Marktumfeld.

Exkurs: buy-the-dip: Ein „Dip“ ist im geologischen Sinne eine Bodensenke. Auf Aktienmärkte übertragen bedeutet es, dass Anleger Aktien bei Kursrückschlägen kaufen sollen, um günstigere Einstiegskurse zu erhalten.

Was bedeutet dies für fair-finance?

In einem steigenden Zinsumfeld performen langlaufende Anleihen aufgrund ihrer höheren Zinssensitivität (Duration) deutlich schlechter als kurz- bzw. kürzerlaufende Anleihen. Daher haben wir einiges an Mittelzuflüssen bzw. der Umschichtungen bei Unternehmensanleihen mit hoher Bonität (im Investmentgrade Bereich) vermehrt bei geringen Laufzeiten aufgestockt, um die Duration des Portfolios zu vermindern. Somit wurde die Untergewichtung von Unternehmensanleihen mit guter Bonität abermals leicht zurückgefahren und ist nunmehr wieder näher an der strategischen Allokation.

All diese Themen und aktives Management wird auch im Publikumsfonds „fair-finance ESG balanced“ umgesetzt, bei welchem der Fokus, wie beim Vorsorgekassenportfolio, auf Wertstabilität ausgerichtet ist und der darüber hinaus auch für Pensionsrückstellungen (gemäß § 14 EstG) geeignet ist.

Ausblick

Auf der Zinsseite sorgten die Notenbanken mit einigen restriktiven Äußerungen für Unbehagen an den Märkten auf Basis von hohen Inflationszahlen. In Europa verkündete beispielsweise der EZB-Rat die Nettowertpapierkäufe des PEPP-Programmes in etwas geringerem Umfang als in den beiden vorangegangenen Quartalen fortzuführen. Auch die britische Notenbank Bank of England schlug einen restriktiveren Ton an – eine leichte Straffung der Geldpolitik sei vermutlich notwendig. Die Stellungnahme richtete sich auch auf den Anstieg der Energiepreise (insbesondere Gas), der in den Augen der Zentralbanker ein Risiko für ihre Inflationsprognosen darstelle. Über dem großen Teich gab die amerikanische Zentralbank FED bekannt, dass schon im November mit dem Tapering (Drosselung der Anleihekäufe) begonnen werden kann. Die Inflation zeigt sich, besonders in den USA, als deutlich langlebiger als gedacht, u.a. wegen den genannten hohen Rohstoffpreisen, der Lieferkettenprobleme, aber auch der guten Verhandlungsbedingungen der Arbeitnehmer bei Löhnen, steigenden Mieten etc. Daher sind jüngst in den entwickelten Märkten die Renditen sehr symmetrisch gestiegen. In Europa ist kürzlich auch ein deutlicher Anstieg in der Headlineinflation mit 3,4 % für September 2021 zu verzeichnen – die Kernrate (ohne Energie und Lebensmittel) lag nach wie vor unter dem 2 % Inflationsziel der EZB. Sowohl die EZB als auch die FED gehen hier nur von vorübergehenden Effekten und daher von rückläufiger Inflation, beginnend Ende dieses Jahres bis Anfang des nächsten Jahres, aus. Nichtsdestotrotz wird dem Markt der Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik bereits frühzeitig kommuniziert, um den Markt nicht wie 2013 auf dem falschen Fuß zu erwischen.

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