faire Veranlagung 01/16

2015 war ein schwieriges Jahr, das letztendlich mit einem Nullergebnis – zumindest für fair-finance als konservativen Veranlager – geendet hat. Die Börsen sind gut gestartet und ließen sich von den weltpolitischen Ereignissen nur kurzfristig aus der Ruhe bringen. Der deutsche Aktienindex DAX stieg im Jahr 2015 kräftig um knapp 10 Prozent, der EuroStoxx mit 50 großen börsennotierten Unternehmen der Eurozone mit 4 Prozent deutlich weniger. Der US-Aktienindex Dow Jones ging in Lokalwährung sogar um 0,6 Prozent zurück, wobei Euroinvestoren währungsbedingt 8 Prozent verdienten. Österreichische Aktien schlossen das Jahr sogar besser als die der deutschen Nachbarn ab. Letztendlich war die Aktienquote für die Jahresperformance maßgeblich. Je mehr Aktien, desto besser das Ergebnis 2015. Anleiheinvestoren hatten es hingegen schwerer. Obwohl die Geldpolitik weiterhin expansiv war, kamen vor allem Unternehmensanleihen unter Druck. Das Ankaufsprogramm der EZB, in dessen Rahmen von März 2015 bis September 2016 Anleihen im Gegenwert von EUR 60 Mrd. monatlich gekauft wurden, kam neben Aktienkäufen vor allem Staatsanleihen zu gute. Gegen Jahresmitte war in Europa die Diskussion um Griechenland das vorrangige Thema. Starke Verwerfungen an den Devisenmärkten sowie die Unsicherheit bezüglich der weiteren Zinspolitik seitens der US-Notenbank prägten das 2. Halbjahr. Die Renditen entlang der Euro-Zinskurve waren bei kurzen Laufzeiten weiterhin negativ. Die erste Anhebung der Zinsen in den USA seit 9 Jahren von 0,25 % auf 0,5 % p.a. war zwar grundsätzlich erwartet, löste aber trotzdem eine Marktentwicklung aus, die jedenfalls in 2016 nachwirken wird.

Als stabilisierendes Element in unserem Portfolio haben sich die HtM-Anleihen (Held to Maturity) dargestellt, welche mit EUR  81,0 Mio. oder 30,0 % fast die größte Asset Klasse darstellen. Bestimmend für die Entwicklung der HtM-Anleihen 2015 waren die niedrigen Zinsen und die damit verbundenen niedrigen Renditen für mögliche Zukäufe. Obwohl die erwartete durchschnittliche Zielrendite für den HtM-Bestand für das Jahr 2015 auf 3,5 % p.a. gesenkt wurde, war es im gesamten Jahr 2015 sehr schwierig Titel zu finden und zu kaufen. Bei dem  niedrigen Renditeniveau von in Euro denominierten Bonds war es schwierig die Gewichtung des HtM-Segments im fair-finance Masterfonds zu halten. Folgende Titel konnten neu in den Bestand aufgenommen werden: BKS, WOFIN/Sozialbau, Ceske Drahy, IREN und Bruneckerstr. Ost/Pema. Die stillen Bewertungsreserven betragen  9,1 % des HtM-Vermögens.

Bestimmend für die Entwicklung 2015 war die größte Asset Klasse der Tageswert Anleihen. Im Mai 2015 haben die Anleihekurse 4 % eingebüßt und haben sich seitdem nicht mehr wesentlich erholt. Der fair-finance bond Fonds, ein Spezialfonds, gemanaged in Eigenverwaltung der ESPA, hat bei einer Gewichtung von 31 % eine Jahresperformance von -0,32 % erreicht und blieb somit rd. 0,7 % hinter seiner Benchmark. Vor dem Hintergrund der auf Sicherheit ausgerichteten Strategie hat das Fondsmanagement das Risiko ab Ende Mai zurückgenommen und die Duration auf unter  4 Jahre reduziert. Später wurden FX-Anleihen und nachrangige Titel verkauft. An der Gegenbewegung des Kurses im 3. Quartal konnte der Fonds nicht in vollem Ausmaß partizipieren. Der Ende März neu in das Portfolio aufgenommene Fremdwährungsanleihefonds M200 von Macquarie, der in supranationale Anleihen von AAA-Emittenten in ausgewählten Fremdwährungen investiert, hat die schlechteste Einzelperformance, allerdings mit einer geringen Gesamtgewichtung gezeigt.  Im Juli wurde erstmalig in den Erste Responsible Bond Global Impact und im September erstmalig in den Raiffeisen GreenBond Fonds investiert. Beide Investments dienen der Diversifikation und haben einen speziellen nachhaltigen Fokus. Geldmarktfonds wurden im Laufe des Jahres sukzessive verkauft, da mit Geldmarktprodukten in 2015 kein Performancebeitrag zu erzielen war. Die Assetklassen Wandelanleihen und Mikrofinanz haben sich in 2015 nicht durch positive Performancebeiträge hervorgetan. Erfreulich entwickelte sich der Semper Constantia Real Estate Fonds. Mit Juni 2015 konnte die erste Wiener Wohnimmobilie durch den zuvor dotierten fair-finance real estate fonds gekauft werden. Weitere Investitionen konnten durch diesen von der Semper Constantia Immo Invest Gmbh verwalteten Spezialfonds noch nicht getätigt werden. Die Investitionen des fair-finance real estate fonds entsprechen den nunmehr in Kraft getretenen Nachhaltigkeitskriterien für Immobilien von fair-finance. Zudem können negative Effekte auf die Performance und die Liquidität des Masterfonds, wie sie aus offenen oder auch geschlossenen Publikumsimmobilienfonds bekannt sind, durch das Konstrukt des Immobilienspezialfonds verhindert werden. Die Gewichtung von Immobilien beträgt 7 % im Portfolio.

Bei einer vergleichsweise geringen Aktienquote von nur  5 % und einer durch Absicherungsmaßnahmen gedrückten Aktienperformance von 1,70 % ist der Performancebeitrag dieser Assetklasse in 2015 nicht erwähnenswert. Die Entscheidung anstelle von Publikumsfonds in einen eigenen Spezialfonds, den fair-finance global equity, zu investieren, war aus Risikomanagementsicht richtig und gerade noch rechtzeitig, zumal im August der Aktienkurs eingebrochen ist und die definierten Schwellwerte des Risikobudgets überschritten wurden.

Erwähnt werden muss, dass der fair-finance Masterfonds und somit das gesamte Veranlagungsportfolio von fair-finance nach der Richtlinie UZ 49 „Nachhaltige Finanzprodukte“ geprüft und im April 2015 mit dem Österreichischen Umweltzeichen ausgezeichnet wurde. fair-finance ist die erste und einzige Vorsorgekasse mit dieser Auszeichnung. Bereits das vierte Mal in Folge hat fair-finance auch 2015 wieder das ÖGUT-Zertifikat in Gold für Nachhaltigkeit erhalten. Eine weitere Überprüfung des Gesamtbestandes durch Union-Investment anhand der „Richtlinie Nachhaltiger Vermögensveranlagung“ von fair-finance hat einerseits eine Verbesserung der Nachhaltigkeit gegenüber dem Vorjahr ergeben, andererseits aber auch weiterhin Verbesserungspotenzial bei einzelnen Unterfonds aufgezeigt. fair-finance befindet sich einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Portfolios.

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